Vorbemerkung: Herr Gröbl ist Mitbegründer des Geschichteclub Stahl, der im Haus des ehemaligen Werkshotels in der Glimpfingerstraße 59 untergebracht ist (heute: Frühstückspension). Helmuth Gröbl kommt aus der Steiermark und lebt seit 1947 in Linz. Wir besuchen den Geschichteclub am 24.5. und werden von Herrn Gröbl durch die Ausstellung geführt:
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Quelle der Abbildungen: Reproduktionen von Fotos der Dauerausstellung „St.Peter“ im Pfarramt St.Peter.
G: „… Dann haben wir hier das Dorf St. Peter. Von der Donau bis zur Traun und dann von der Westbahn bis zur Budweiser Bahn.
- Da ist der Spatenstich durchgeführt worden. Dieser Herr Meissner, der hat das ganze geleitet damals, diesen ganzen Aufbau der Hermann Göring Werke, ein großes Stahlwerk mit Walzwerken. Da wurde die VÖEST geplant. Und wie es dann geiheißen hat, da würde, der Kriegsbeginn war eben dann, da haben sie die Bauarbeiten, die damals schon gemacht waren, eingestellt und haben das Rüstungswerk gebaut.
F: Wir haben uns vorher gerade gefragt, wo denn die Einwohner von St. Peter hingekommen sind?
G: Ja, das zeig ich Ihnen. […] hat verschiedene gegeben. Die einen haben Häuser gehabt, kleine Häuser, man sieht da so ein Haus, das waren ganz einfache Häuser, ein Doppelhaus, die haben wieder ein Haus bekommen im Keferfeld, im Ortsbereich Keferfeld […] Und alle, die in Wohnungen gewohnt haben, die haben eine Wohnung gekriegt in der Wienerstraße, Richtung Ebelsberg. Die werden Sie kennen, die langgezogenen Bauten. Das sind die Häuser für die Bewohner von St. Peter, die aber oft nur ein Zimmer gehabt haben, und da haben sie auf einmal eine Wohnung gehabt, mit Bad und Klo und so weiter, das haben sie ja alles nicht gehabt. Ebenso ist es auch im Keferfeld gewesen. Die, die Häuser gehabt haben, die haben dann Häuser gekriegt im Keferfeld mit allem Komfort, für die damalige Zeit.
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Herr Gröbl erklärt uns, was mit den Bewohnern von St. Peter passiert ist
F: Und weiß man, wie es denen gegangen sind, mit der Umsiedlung?
G: Das ist ziemlich klaglos gegangen. Es hat zuerst furchtbar ausgeschaut […] weg müssen vom Dorf. Das ist eh klar, wer so ein Dorfleben gewohnt ist […] in der Nähe, auf einmal ist das alles zerrissen. Da gibt’s eh dann … Hinweise, haben wir verschiedene. Die einen sind da an die Wienerstraße angesiedelt worden, die in Wohnungen gewohnt haben im Keferfeld … ah, in St. Peter.
F: Wir haben gelesen, dass die von heut auf morgen aussiedeln mussten.
G: Das musste sehr schnell gehen, dort, wo sie zu bauen begonnen haben. Da mussten die Leute ganz schnell weggesiedelt werden, da haben sie Bauernhöfe, die in der Gegend waren, adaptiert, ein bisserl die Räume hergerichtet, dass sie sie dorthin übersiedelt haben. Die haben sich aber nichts selber machen müssen, das wurde Ihnen alles vom Staat, als von damals von eben Leitungen […], mit LKW…
F: Waren das die Barackensiedlungen?
G: Nein, das hat mit Baracken nichts zu tun. […]
F: Wir haben in der Ausstellung gesehen, dass das oft über Nacht ging.
G: Es musste sehr schnell gehen, und zwar dort, wo zu bauen begonnen wurde.

Plan von St. Peter in der Zizlau
G: Wo sie Platz gebraucht haben für Bautätigkeiten, da mussten die Leute ganz rasch, innerhalb von ein, zwei Tagen mussten die ausgezogen sein. Und da hat man eben bei Bauernhöfen, die aufgelassen waren schon einmal, hat man die Räume adaptiert und hat’s dann umgesiedelt. Sie haben selber nichts […] Und da hat man eben bei Bauernhöfen, die aufgelassen wurden, die Räume adaptiert.
F: Hat es da so viele Bauernhöfe gegeben?
G: Jaja, das war ein richtiges Bauerndorf. […] Die Bauern wurden auch umgesiedelt. Entweder nach Enns, haben sie einen leeren Bauernhof gehabt, haben sie sie dahin übersiedelt, haben Ihnen aber geholfen, finanziell, beim Aufbau oder bei der Renovierung des Gebäudes. Und das hat auch der Meissner gemacht […]
F: Ist der Architekt gewesen?
G: Nein, Jurist war er …. der Hanns Meissner.
Über zugezogene Stahlarbeiter
F: Wir haben in der Ausstellung im Pfarramt gelesen, dass Arbeiter aus de Ruhrpott nach Linz gekommen sind.
G: Da hat es einige Berufssparten gegeben, die interessiert waren, hier einen Job zu bekommen. Und darum sind sie notdürftig im Spallerhof, wo heute die Kirche steht, da war ja früher der Spallerhof, da sind auch Quartiere gewesen, recht primitive Quartiere haben sie da gehabt.
F: Gab es einen Unterschied zwischen Wohngebäuden, die am Spallerhof errichtet wurden, und denen am Bindermichl?
G: Sie sind draufgekommen, das sie mehr Personal brauchen. Hier im Spallerhof haben sie ja hauptsächlich einstöckige Häuser gebaut. Und am Bindermichl dann schon zweistöckige. Der Spallerhof war die Siedlung zur Unterbringung von Werksangehörigen. Die Unterbringung war besser als bei anderen Betrieben, die haben oft nur ein, zwei ganz primitive Zimmer gehabt. Ein Ehepaar, dass einmal zu Besuch gekommen ist und von Donawitz nach Linz gezogen ist, war ganz überrascht, wie groß und luxuriös die Wohnungen hier sind, mit fließend Wasser in der Wohnung und Bad und extra Klo! Die hatten gar nicht genug Möbel, um die Wohnung voll zu kriegen.
Zu Hanns Meissner

Hanns Meissner – WAG-Direktor, St.Peter-Umzugsleiter, Planer der Spallerhofsiedlung
G: Der Herr Meissner, das war auch derjenige, der die WAG gegründet hat. Er hat damals die Aufgabe gehabt, die Absiedlung der Bevölkerung von St. Peter zu veranlassen, den Aufbau der Hermann Göring Werke zu leiten und gleichzeitig Wohngebiete für die Beschäftigten der Hermann Göring Werke aufzubauen.
Nivellierung des Geländes, Weikerlsee, Estermann Seifenfabrik, Gräberfunde
Zur Geschichte des Geschichteclub Stahl
Bombenangriffe auf die HGW
Quelle:
Interview mit Helmuth Gröbl, 24.5.2012